Prosa

Aus Totenkopfedi und Verbrechersepp

Die Toilettentür ging quietschend auf und der große Unbekannte betrat wieder den Raum. Keiner sprach ein Wort. Der Typ fläzte sich auf seinen Barhocker und fixierte seinen Cola-Schuss wie den Heiligen Gral. Dann vernichtete er ihn und schob Schorsch das leere Glas über die Theke. Doch Schorsch reagierte nicht. Der Unbekannte verengte die Augen zu einem Clint-Eastwood-Blick. Schorsch konterte mit einem Robert-Mitchum-Blick. Die Luft war zum Zerreißen gespannt. Keiner der beiden wich dem Blick des anderen aus.

Aus Tot oder lebendig

Der Barkeeper setzte sich in Bewegung. Er sah beeindruckend aus. Breite Schultern. Breiter Schädel. Breite Hüften. Große Füße. Er bewegte sich wie ein Killer. Er war die Sorte von Mann, die sich immer beweisen muss, wie hart und männlich sie ist. Zu viele Rambofilme. Zu viel schlechte Erziehung. Zu wenig Sensibilität. Und viel zu wenig Grips. Der Stoff aus dem Sieger gemacht sind.

Aus Ein Negerjob

Ich hatte richtig kombiniert. Im letzten Stock, dem Dachgeschoss, erkannte ich zwei Bauarbeiter, die auf einem schmalen Brett, das lose auf dem Baugerüst lag, einen langen Balken balancierten. Ein Geländer gab es nicht. Sie bewegten sich sehr sicher dort oben mit dem Balken in den Händen. Mir wurde schon schwindlig vom bloßen Hinsehen. Die Bauarbeiter verschwanden mit dem Balken um die Ecke. Ein weiterer Arbeiter stieg aus einer Fensteröffnung auf das schmale Brett. Er hatte in jeder Hand einen Eimer. Die Eimer schienen schwer zu sein. Der Mann setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Nach einigen Metern stellte er die Eimer ab und befestigte einen an einem Seil, das über eine Seilwinde lief. Er ließ den Eimer daran runter. Bummm! Der Eimer knallte auf den Boden. Ich ging hin und besah mir den Inhalt. Es war Bauschutt... Der nächste Eimer kam. P O F F ! ! ! Es klang wie kaputte Knochen. Fünf Mark hin oder her. Das hieß, jetzt hatte ich noch 2,80 Mark (ich hatte 2,20 Mark für die Fahrkarte ausgegeben). Meine Entscheidung war gefallen. Lieber Hungern als Sterben!

Aus Irgendwo im Niemandsland

Die Raumhöhe betrug wenig mehr als zwei Meter und es war ziemlich dunkel. Ich kam mir vor wie im Untergrund. Es war wie in den Katakomben. Jetzt wusste ich, wie sich das Phantom der Oper fühlte. Nur dass ich nicht entstellt war. Noch nicht. Während wir durch diese Unterwelt gingen, erzählte der Mann ständig, was genau meine Tätigkeit in dieser Geisterbahn war. Ich hörte erst gar nicht zu. Wie sollte ein Mensch allein hier unten Tag für Tag acht Stunden verbringen, ohne dem Wahnsinn anheim zu fallen?